Wer als Hausverwaltung eine Cloud-Software einsetzt, übergibt dem Anbieter einen erheblichen Teil seiner IT-Sicherheitsverantwortung. Dazu gehört auch die Authentifizierung: Wie werden Zugangsdaten gespeichert? Wer haftet bei einem Passwort-Leak? Welche Standards gelten für das Credential-Management?
ImmoGenio hat diese Frage mit einer klaren Architekturentscheidung beantwortet: Die Authentifizierung von Hausverwaltungs-Accounts wurde vollständig an Zitadel Cloud ausgelagert — einen auf Identity-as-a-Service spezialisierten Anbieter, der im Mai 2023 die ISO/IEC 27001-Zertifizierung erhalten hat.
Was ist Zitadel Cloud?
Zitadel ist eine Open-Source-Identitätsplattform, die als verwalteter Cloud-Dienst betrieben werden kann. Sie übernimmt alle Aufgaben rund um Nutzeridentitäten: Registrierung, Login, Passwort-Verwaltung, Multi-Faktor-Authentifizierung und Single Sign-On. Das Unternehmen hinter Zitadel — CAOS AG — betreibt die Cloud-Instanzen ausschließlich in europäischen Rechenzentren; ein Transfer personenbezogener Daten in Drittländer findet nicht statt.
Für Hausverwaltungen als Auftraggeber bedeutet das: Der Dienstleister, dem sie ihr Login-Management anvertrauen, unterliegt denselben DSGVO-Anforderungen wie ein deutsches Rechenzentrum.
Die ISO/IEC 27001-Zertifizierung — was sie bedeutet
ISO/IEC 27001 ist der international anerkannte Standard für Informationssicherheits-Managementsysteme (ISMS). Eine Zertifizierung belegt, dass der Anbieter:
- alle sicherheitsrelevanten Prozesse systematisch dokumentiert und überprüft,
- Risiken identifiziert, bewertet und mit definierten Kontrollen adressiert,
- regelmäßige externe Audits durch akkreditierte Prüfstellen durchläuft.
Für ein Unternehmen, das Login-Credentials für mehrere tausend Nutzer verwaltet, ist diese Zertifizierung kein Marketingsignal, sondern ein nachprüfbarer Nachweis. Zitadel veröffentlicht das Zertifikat auf seiner Website.
Passwortloser Login per Passkey (FIDO2/WebAuthn)
Die technisch bedeutsamste Änderung für ImmoGenio-Nutzer: Hausverwaltungsmitarbeiter können sich ohne Passwort anmelden. Stattdessen kommt ein Passkey zum Einsatz — ein kryptografisches Schlüsselpaar, das auf dem Gerät des Nutzers gespeichert wird (TouchID, FaceID, Windows Hello oder ein Hardware-Sicherheitsschlüssel).
Der Vorteil gegenüber klassischen Passwörtern ist fundamental:
| Eigenschaft | Passwort | Passkey (FIDO2) |
|---|---|---|
| Speicherort | Server (Hash) + Nutzer (Kopf/Notiz) | Ausschließlich Nutzergerät |
| Phishing-Anfälligkeit | Hoch | Nicht möglich (origin-gebunden) |
| Brute-Force | Möglich bei schwachen Passwörtern | Nicht möglich (kein Geheimnis auf Server) |
| Datenpanne beim Anbieter | Hashes können geknackt werden | Kein verwertbares Geheimnis vorhanden |
| Nutzerfreundlichkeit | Mäßig (Passwort merken, regelmäßig ändern) | Hoch (biometrische Entsperrung in Sekunden) |
ImmoGenio speichert für Zitadel-authentifizierte Nutzer keinen Passwort-Hash in der eigenen Datenbank. Selbst wenn die ImmoGenio-Datenbank kompromittiert würde, gäbe es keine Zugangsdaten zu stehlen.
PKCE-Flow: Warum kein Client-Secret
Die technische Verbindung zwischen ImmoGenio-Portal und Zitadel folgt dem OAuth 2.0 Authorization Code Flow mit PKCE (Proof Key for Code Exchange, RFC 7636). PKCE wurde entwickelt, um OAuth-Flows sicher für Browser-basierte Anwendungen zu machen — ohne dass ein Client-Secret im Quellcode hinterlegt werden muss.
Der Ablauf in Kurzform:
- Beim Klick auf „Mit Firmen-Account anmelden” generiert das ImmoGenio-Backend einen zufälligen
code_verifierund dessen Hash (code_challenge). - Der Nutzer wird zu Zitadel weitergeleitet; der Hash wird mitgegeben.
- Nach erfolgreicher Authentifizierung leitet Zitadel mit einem
codezurück. - Das Backend tauscht den
codegegen Tokens, indem es den ursprünglichencode_verifiermitschickt — den nur es kennt.
Ein abgefangener code ist ohne den passenden code_verifier wertlos. Da dieser nur serverseitig existiert und nie übertragen wird, ist der Flow robust gegen Redirect-Hijacking.
Was in den technischen und organisatorischen Maßnahmen (TOM) steht
Die Entscheidung für Zitadel ist im TOM-Dokument von ImmoGenio (gemäß Art. 32 DSGVO, Rev. 1.3) dokumentiert. Relevante Aussagen:
„Passwortloser Login via Passkey (WebAuthn/FIDO2) oder OTP — kein Passwort-Hash für Zitadel-authentifizierte Nutzer in der ImmoGenio-Datenbank.”
„Kein Passwort-Management in ImmoGenio: Passwörter, Passwort-Reset-Links und Credential-Speicherung liegen vollständig bei Zitadel Cloud; das Haftungsrisiko für Credential-Kompromittierung ist an einen ISO-27001-zertifizierten Spezialanbieter ausgelagert.”
Auftraggeber, die einen Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) mit ImmoGenio abschließen, erhalten das vollständige TOM-Dokument als Anlage 2 des AVV.
Abgrenzung: Was Zitadel nicht übernimmt
Zitadel ist ausschließlich für die Authentifizierung von Hausverwaltungs-Accounts zuständig. Die Autorisierung — also welcher Nutzer welche Daten sehen und bearbeiten darf — verbleibt vollständig im ImmoGenio-Backend:
- Das rollenbasierte Zugriffssystem (RBAC) mit 12 definierten Rollen
- Row-Level Security (RLS) in PostgreSQL
- Tenant-Isolation (Mandantentrennung auf Datenbankebene)
Nach erfolgtem Zitadel-Login prüft das ImmoGenio-Backend, ob die E-Mail-Adresse in der eigenen Nutzertabelle registriert und aktiv ist. Nicht registrierte Adressen erhalten keinen Zugang — unabhängig davon, ob die Authentifizierung bei Zitadel erfolgreich war.
Fazit
Die Auslagerung der Authentifizierung an einen ISO-27001-zertifizierten Spezialanbieter ist für eine Hausverwaltungs-SaaS kein Luxus, sondern ein sinnvolles Risikomanagement. Credential-Management gehört nicht zum Kerngeschäft einer Hausverwaltungssoftware; es erfordert aber spezialisiertes Know-how und kontinuierliche Sicherheitsupdates.
Hausverwaltungen, die ImmoGenio einsetzen, profitieren davon ohne eigenen Aufwand: Der Passkey-Login ist ab dem ersten Anmeldetag verfügbar, ohne dass Passwortrichtlinien konfiguriert, Passwort-Resets bearbeitet oder HaveIBeenPwned-Abfragen integriert werden müssten.
