Der vollständige Zustandsraum
Der Staffelanpassungs-Workflow modelliert fünf Zustände — vom ruhenden Wartezustand bis zur abgeschlossenen Erhöhung. Zwei Guards sind technisch erzwungen: Wirksamkeitsdatum minus 60 Tage erreicht für staffel_faellig, Ankündigung versendet und Stichtag erreicht für wirksam_ab:
Die beiden Querpfade „vertrag_endet” sind kritisch: Wird der Mietvertrag vor Wirksamwerden einer Staffel gekündigt, endet der Workflow ordnungsgemäß ohne Erhöhung. Der Kündigungs-Workflow triggert dieses Event automatisch. So entsteht keine Karteileiche, kein vergessener Datensatz.
Beispiel: Staffelvertrag „Rosenweg 8, App. 2A” mit vier Stufen
Herr M. hat 2022 einen Staffelmiet-Vertrag unterschrieben — vier Stufen, jeweils 12 Monate Abstand: 700 €, 720 €, 740 €, 760 €. Die erste Stufe (700 €) war die Anfangsmiete, die zweite Stufe (720 €) wird am 1. Juli 2026 wirksam. Heute ist der 1. Mai 2026 — 61 Tage vorher, einen Tag vor der automatischen Fristerkennung.
Der Ablauf:
Der gesamte Prozess läuft ohne Verwalter-Eingriff bis auf den einen Klick zur Ankündigungs-Generierung. Die SOLL-Anpassung im Buchhaltungs-Modul ist ein Side-Effect des Zustandswechsels nach „wirksam_ab” — Sie können das nicht vergessen, weil es nicht manuell ausgelöst wird. Die nächste Staffel wird automatisch als „ruhend” vorgeladen, bis ihr eigener 60-Tage-Zeitpunkt erreicht ist.
Technisch erzwungene Compliance
§ 557a BGB ist juristisch streng: Die Staffelvereinbarung muss schriftlich im Mietvertrag stehen, jede Staffel mindestens 12 Monate nach der vorherigen wirksam werden, die Beträge müssen konkret beziffert sein (keine bloße Index-Klausel — das wäre § 557b). ImmoGenio prüft diese Voraussetzungen bei der Erfassung: Ein Vertrag mit zwei Staffeln innerhalb von 8 Monaten lässt sich nicht im Workflow starten — die Engine wirft eine validation_error mit Hinweis auf die gesetzliche Mindestfrist.
Wenn Sie eine ältere Vertragsstruktur übernehmen, in der die Schriftform unklar ist, markiert das System die Staffelvereinbarung als „prüfbedürftig” — der Workflow bleibt im Zustand „ruhend”, die Fristerkennung läuft nicht an. Sie können dann den Vertrag rechtsanwaltlich prüfen lassen, ohne dass eine unwirksame Ankündigung versendet wird. So schützt die Engine vor formellen Fehlern, die im Streitfall die gesamte Erhöhung kippen könnten.
Kopplung an den Kündigungs- und Vermietungs-Workflow
Der Staffelanpassungs-Workflow ist ein Sub-Workflow des Master-Workflows „vermietung” (Mietvertrag). Endet die Vermietung — egal ob durch Kündigung, einvernehmliche Aufhebung oder Tod des Mieters —, werden alle laufenden Sub-Workflows benachrichtigt. Der Staffel-Workflow reagiert mit „vertrag_endet” und schließt ordnungsgemäß ab. Anstehende Staffeln, die noch nicht wirksam waren, werden im Audit-Trail als „verfallen wegen Vertragsende” dokumentiert.
Bei Neuvermietung der Wohnung beginnt der Vertragsprozess von vorn — der neue Vertrag kann eigene Staffeln enthalten oder eine reine Vergleichsmieten-Regelung nach § 558. ImmoGenio behält die Historie aller alten Staffel-Workflows bei der Einheit, damit Sie bei Mieterauseinandersetzungen oder Verkauf der Immobilie die vollständige Mietenhistorie nachweisen können.