— GenioFlow · Mahnwesen

Mahnwesen in 7 Stufen — Banking-Sync startet, Verzugszinsen rechnen tagesgenau, Storno reduziert proportional.

Mahnwesen ist die unscheinbare Tätigkeit, die viel Schaden anrichten kann — vergessene Mahnstufen verschenken Verzugszinsen, falsche Zinssätze sind angreifbar, zu späte Inkasso-Übergabe zementiert Forderungsausfälle. ImmoGenio führt das Mahnverfahren als 7-State-Sub-Workflow mit dem Banking-Sync als automatischem Trigger. Verzugszinsen rechnen tagesgenau nach § 288 BGB. Bei Zahlungseingang storniert die Engine automatisch und passt die Zinsen proportional an.

15–20 Min pro Mahnung mit händischer Zins-Berechnung und Stornierungs-Risiko 0 Min — Workflow läuft automatisch, Verwalter sieht nur Eskalationen im Cockpit
  • 7-State-Sub-Workflow: zahlungsverzug_erkannt → erinnerung_versendet → mahnung_stufe_1 → mahnung_stufe_2 → mahnung_stufe_3 → {inkasso_uebergeben | storniert} → abgeschlossen.
  • Banking-Sync als Trigger: Workflow startet automatisch bei fehlendem Mieteingang — nicht reaktiv, sondern proaktiv.
  • Verzugszinsen nach § 288 BGB tagesgenau berechnet (Basiszinssatz + 5 Prozentpunkte für Verbraucher, aktuell ~7,17 % p.a.) ab Verzugsbeginn.
  • Stornierungs-Pfad bei Zahlungseingang: vollständig → kompletter Storno, teilweise → Zins-Anpassung proportional zum verkürzten Verzugszeitraum.
  • Default-Fristen-Kaskade: Erinnerung +5 Tage, Stufe 1 +10 Tage, Stufe 2 +14 Tage, Stufe 3 +14 Tage — pro Mietvertrag anpassbar.
  • Inkasso-Übergabe als Sub-Workflow: Riverty, Creditreform oder eigener Anwalt — Forderungs-Daten via XML/JSON, parallel zur ggf. laufenden Kündigung sichtbar.

So einfach funktioniert es

  1. 01

    Banking-Sync triggert

    Fehlender Mieteingang am Fälligkeits-Stichtag → Workflow startet automatisch. Kein händisches Anlegen, kein Übersehen.

  2. 02

    Eskalations-Kaskade läuft

    Erinnerung, Mahnung 1/2/3 jeweils nach Default-Fristen — Brief-Editor generiert juristisch korrekte Schreiben mit aktuellen Verzugszinsen.

  3. 03

    Storno oder Inkasso

    Zahlungseingang während des Verfahrens → Storno mit Zins-Anpassung. Kein Eingang nach Stufe 3 → Übergabe an Inkasso-Dienstleister als Sub-Workflow.

Der vollständige Zustandsraum

Der Mahnwesen-Sub-Workflow modelliert sieben Zustände — fünf Eskalationsstufen plus zwei Terminal-Pfade. Migration M237 verankert das Schema, M231 hatte den Banking-Sync-Trigger als Side-Effect-Mechanismus eingeführt. Die zentralen Übergänge sind nicht klassisch guard-getrieben, sondern timer- und event-getrieben: Timer für die Eskalationskaskade, Banking-Webhook für den Storno-Pfad:

erinnerung_versenden
[Timer +5d]

stufe_1_versenden
[Timer +10d]

stufe_2_versenden
[Timer +14d]

stufe_3_versenden
[Timer +14d]

inkasso_starten

zahlung_eingang
[Banking-Sync]

zahlung_eingang

zahlung_eingang

zahlung_eingang

teilzahlung
[Zins-Anpassung]

inkasso_abschluss

workflow_abschluss

ueberzahlung_korrektur

zahlungsverzug_erkannt

erinnerung_versendet

mahnung_stufe_1_versendet

mahnung_stufe_2_versendet

mahnung_stufe_3_versendet

inkasso_uebergeben

storniert

abgeschlossen

abgebrochen

Der teilzahlung-Übergang ist subtil: Kommt eine teilweise Zahlung an (etwa der Mieter zahlt die Hauptforderung, vergisst aber die Verzugszinsen), bleibt der Workflow nicht stehen — er wechselt eine Stufe zurück und passt den offenen Restbetrag an. Damit gehen Verzugszinsen nicht verloren, das Mahnverfahren läuft mit dem Restbetrag weiter.

Beispiel: Mieter Herr K., Hamburger Wohnung, März-Miete 850 €

Herr K. zahlt seit Januar regelmäßig per SEPA-Lastschrift. Im März kommt der Einzug zurück — Konto nicht gedeckt. Der Banking-Sync erkennt den Rücklauf am 5. März, der Workflow startet automatisch.

Inkasso-ServiceTimer-ServiceHerr K. (Mieter)Brief-EditorVerwalterImmoGenioBanking-SyncInkasso-ServiceTimer-ServiceHerr K. (Mieter)Brief-EditorVerwalterImmoGenioBanking-SyncHerr K. zahlt 850 € am 25.3.Rücklauf SEPA 850 € am 5.3.1Workflow "mahnwesen" anlegen2Cockpit-Hinweis "Zahlungsverzug Herr K."3Timer +5d → 10.3.4Erinnerung generieren (höflich, ohne Zinsen)5Erinnerung per E-Mail6Timer +10d → 20.3.7Mahnung Stufe 1 (mit Verzugszinsen § 288)8Zinsberechnung: 850 € × 7,17 % × 15/365 = 2,50 €9Stufe 1 (Brief): Forderung 852,50 €10Eingang 850 € erkannt11Teilzahlung — Restforderung 2,50 € Verzugszinsen12Cockpit-Update "Teilzahlung, Zinsen offen"13Restbetrag erlassen (Goodwill)14"storniert" mit Begründung15Workflow "abgeschlossen"16

In diesem Fall hat der Verwalter den Restbetrag erlassen — gut für die Mieterbeziehung, dokumentiert im Audit-Trail. Bei einem hartnäckigen Zahlungsverweigerer wäre der Workflow durch Stufe 2 und 3 gelaufen und hätte am Ende den Inkasso-Sub-Workflow gestartet.

Technisch erzwungene Compliance

Verzugszinsen müssen rechnerisch korrekt sein. Ein Verwalter, der die Verzugszinsen schätzt oder pauschal mit 5 % rechnet (statt mit aktuellem Basiszinssatz + 5 Punkte), riskiert eine angreifbare Forderung — der Mieter kann argumentieren, der Verzugszins sei falsch berechnet, daher sei die Mahnung unwirksam.

ImmoGenio berechnet tagesgenau mit dem aktuellen Basiszinssatz (halbjährliche Anpassung durch die Deutsche Bundesbank). Die Berechnungsformel ist im Audit-Trail nachvollziehbar — Hauptforderung × Zinssatz × Verzugstage / 365. Bei Teilzahlungen werden die Zinsen proportional neu berechnet, weil sich der Verzugszeitraum verkürzt.

Ebenso wichtig: Die Mahnung muss formell korrekt sein. § 286 BGB verlangt eine Mahnung (mit Ausnahmen bei kalendarisch bestimmter Fälligkeit nach § 286 Abs. 2 Nr. 1 BGB, was bei Mietzahlungen meist erfüllt ist). Der Brief-Editor generiert die Schreiben aus geprüften Vorlagen mit korrekter Formulierung — der Verwalter muss nicht selbst formulieren.

Edge-Case: Mieter zahlt während laufender Mahnstufe

Banking-Sync ist der Schlüssel zur Workflow-Integrität. Sobald ein Mieteingang verbucht wird, prüft die Engine: Ist die Forderung vollständig getilgt? Falls ja → Storno. Falls nein → Zins-Anpassung und ggf. Rückfall in eine niedrigere Mahnstufe. Der Workflow darf nicht still schlucken — wenn der Banking-Sync einen Fehler hat (etwa ein nicht zuordenbarer Eingang ohne Verwendungszweck), wird dieser im Forderungs-Cockpit angezeigt, sodass der Verwalter manuell zuordnen kann. Ein „verschollener” Eingang, der zu einer unberechtigten Stufe-3-Mahnung führt, ist im Workflow nicht möglich.

Parallele Workflows: Kündigung wegen Zahlungsverzug

Bei zwei aufeinanderfolgenden Monatsmieten Rückstand greift § 543 Abs. 2 Nr. 3 BGB — fristlose Kündigung wegen Zahlungsverzug. Diese läuft als eigener Sub-Workflow im Master „vermietung” parallel zum Mahnwesen. Beide Workflows kennen voneinander: Wenn das Mahnwesen in „inkasso_uebergeben” wechselt, sieht der Kündigungs-Workflow den Status und kann darauf reagieren. Zahlt der Mieter alle Rückstände innerhalb der Schonfrist nach § 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB (2 Monate nach Räumungsklage-Zustellung), wechselt nicht nur der Mahnwesen-Workflow in „storniert”, sondern auch der Kündigungs-Workflow erhält die Information und kann seinerseits zurückrollen.

Häufige Fragen

Wann wird der Mahnwesen-Workflow automatisch gestartet?

Der Banking-Sync gleicht täglich die Mieteingänge ab. Erkennt die Engine, dass eine fällige Miete zum Stichtag (typisch 3. Werktag des Monats) nicht eingegangen ist, wird der Sub-Workflow „mahnwesen" automatisch im Zustand „zahlungsverzug_erkannt" angelegt. Sie als Verwalter sehen den neuen Workflow im Forderungs-Cockpit und können den Zeitpunkt der Erinnerung entweder akzeptieren (5. des Folgemonats als Default) oder anpassen. Der Workflow ist also nicht reaktiv „auf Knopfdruck", sondern proaktiv durch den Banking-Sync getrieben.

Wie werden die Verzugszinsen nach § 288 BGB berechnet?

Für Verbraucher (Mieter sind in der Regel Verbraucher nach § 13 BGB) gilt der Basiszinssatz plus 5 Prozentpunkte nach § 288 Abs. 1 BGB. Bei Wohnraummiete läuft die juristische Diskussion um eine analoge Anwendung von § 288 Abs. 2 BGB (Basiszinssatz plus 9 Prozentpunkte) — in der Praxis wird meist der niedrigere Satz gewählt, um den Verbraucherschutz nicht zu untergraben. Der Workflow nutzt standardmäßig Basiszinssatz plus 5 Prozentpunkte (aktuell ca. 7,17 % p.a.) und rechnet tagesgenau ab dem ersten Verzugstag. Sie können den Zinssatz im Workflow-Setup anpassen, falls Ihre Mietverträge abweichende Verzugsklauseln enthalten.

Was passiert, wenn der Mieter zwischen den Mahnstufen zahlt?

Der Banking-Sync erkennt einen Zahlungseingang automatisch und triggert den Übergang in „storniert". Die Engine prüft dabei: Ist der Eingang vollständig (Hauptforderung + bisherige Verzugszinsen)? Falls ja → kompletter Storno mit Workflow-Abschluss. Falls teilweise (z. B. Mieter zahlt nur die Hauptforderung, nicht die Verzugszinsen) → der Workflow wechselt nur in „erinnerung_versendet" zurück und passt den offenen Betrag an. Verzugszinsen werden proportional reduziert, basierend auf dem nun verkürzten Verzugszeitraum.

Welche Fristen liegen zwischen den Mahnstufen?

Default-Werte: Erinnerung am 5. des Folgemonats, Mahnung Stufe 1 (mit Verzugszinsen-Hinweis) 10 Tage später, Mahnung Stufe 2 (mit Inkasso-Androhung) weitere 14 Tage später, Mahnung Stufe 3 (letzte Frist) nochmal 14 Tage später. Insgesamt etwa 6 Wochen vom Zahlungsverzug bis zur Inkasso-Übergabe. Diese Fristen können Sie im Workflow-Setup global oder pro Mietvertrag anpassen. Die Engine triggert die nächste Stufe automatisch über Timer-Events, der Verwalter kann jeden Schritt aber auch manuell überspringen oder verzögern.

Was passiert beim Übergang in „inkasso_uebergeben"?

Mit „inkasso_uebergeben" wird ein Sub-Workflow „inkasso" gestartet, der die Übergabe an einen externen Inkasso-Dienstleister modelliert. Sie wählen den Dienstleister (Riverty/Creditreform/eigener Anwalt), der Workflow überträgt die Forderung mit allen Daten via XML-Export oder JSON-API, und Sie verlieren die operative Kontrolle — der Inkasso-Workflow übernimmt das Mahnwesen ab hier. Im Master-Workflow „vermietung" bleibt die Information „Forderung im Inkasso" sichtbar, sodass parallel laufende Workflows (etwa eine Kündigung wegen Zahlungsverzug nach § 543 Abs. 2 Nr. 3 BGB) auf diesen Status reagieren können.

Wie integriert sich der Mahnwesen-Workflow mit dem Banking-Sync?

Der Banking-Sync (finAPI oder GoCardless) holt täglich die Kontoumsätze und gleicht Mieteingänge gegen die Soll-Forderungen ab. Bei Match: Forderung wird ausgeglichen, kein Mahnwesen. Bei fehlendem Match nach Fälligkeit: Mahnwesen-Workflow wird angelegt. Während des laufenden Mahnwesens prüft der Sync täglich, ob doch noch ein Eingang kommt — und triggert dann den Storno-Pfad. Wichtig: Der Banking-Sync darf nicht still schlucken — Synchronisationsfehler werden im Forderungs-Cockpit angezeigt, sodass Sie wissen, wann ein „kein Eingang" womöglich ein „Sync-Fehler" ist.

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